Der Bettelvogt

Schelmisch
Text: Volkslied
Melodie: Himmel Friedrich Heinrich

1. Ich war noch so jung, und war
doch schon arm, Kein Geld hat ich
gar nicht, daß Gott sich erbarm,
So nahm ich meinen Stab und meinen
Bettelsack. Und pfiff das Vaterunser
den lieben langen Tag.
2. Und als ich kam vor Heidelberg hinan,
Da packten mich die Bettelvögte gleich
hinten und vornen an; Der eine packt
mich hinten, der andre packt mich vorn;
Ey ihr verfluchte Bettelvögt, so laßt mich ungeschorn.
3. Und als ich kam vors Bettelvogt sein
Haus, Da schaut der alte Spizbub zum
Fenster heraus, Ich dreh mich gleich
herum und seh nach seiner Frau:
Ey du verfluchter Bettelvogt, wie
schön ist deine Frau.
4. Der Bettelvogt der faßt einen
grimmen Zorn, Er läßt mich ja
setzen im tiefen tiefen Thurm,
Im tiefen tiefen Thurm bey Wasser
und bey Brodt, Ey du verfluchter
Bettelvogt, krieg du die schwerste
Noth!
5. Und wenn der Bettelvogt gestorben
erst ist, Man sollt ihn nicht begraben
wie 'nen andern Christ, Lebendig ihn
begraben bey Wasser und bey Brodt,
Wie mich der alte Bettelvogt begraben
ohne Noth.

Noten und Texte — pdf — midi

Der Titel der Beamten im 16. und 17. Jahrhundert, die für die Überprüfung von Bettlern und Armen zuständig waren. Andere Bezeichnungen waren auch „Bettelvogt,”

Melodie

6. Ihr Brüder seyd nun lustig, der
Bettelvogt ist todt, Er hängt schon
im Galgen ganz schwer und voller Noth,
In der verwichenen Woch am Dienstag
um halber neun, Da haben sie 'n
gehangen in Galgen fest hinein.
7. Er hätt die schöne Frau beynahe
umgebracht, Weil sie mich armen
Lumpen freundlich angelacht.
In der vergangenen Woch, da
sah er noch hinaus, Und heut bin
ich bei ihr in seinem Haus.